Never drink and tweet again!

Am Samstagmittag habe ich eine Dummheit begangen und leicht angeheitert etwas getwittert.

In Bremen gibt es die traditionelle Kohlfahrt, an der auch ich teilgenommen habe. Auch ich hatte mächtig einen im Tee. Vor allem in dem Moment, als mich die Nachricht von Udo Ulfkottes Tod ereilte. In dem Moment habe ich mich erheitert dazu geäußert. Ich dachte, ich hätte das gelöscht. Nach nur einer Stunde wurde ich vom Gegenteil überzeugt. Alles nahm seinen Lauf.

Dieser Mann repräsentiert für mich genau den Hass, der uns häufig verzweifeln lässt. Er hat eine Menge Hass geschürt und auch Verschwörungstheorien verbreitet. Für ihn sind Menschen nach ethnischen Gruppen sortierbar. Für mich nicht. Ich glaube an die Einzigartigkeit eines jeden Menschen. Und für mich liegt bei rassistischem Gedankengut (es ist rassistisch, wenn ich einer ethnischen Gruppe nur aufgrund dessen mit Hass entgegne) eine Grenze. Und da ist es mir auch egal, welche Nationalität der Mensch hat. Ich begegne einem deutschen Rassisten ebenso kritisch wie einem türkischen, russischen oder sonst irgendeinem. Und wir haben zurzeit eine Menge Rassismus, gegen den wir angehen müssen.

Zugegeben war die Art und Weise von mir taktlos und pietätlos und geht absolut gar nicht. Über den Tod eines Menschen scherzt man nicht. Vor allem nicht im öffentlichen Raum. Ich habe das nun mehr als deutlich zu spüren bekommen. Mehrere Hundert Nachrichten wurden an mich gerichtet. Teils mit genereller Kritik, die ich nachvollziehen kann. Aber dazwischen tummelten sich auch hunderte Nachrichten, mit äußerst rassistischem und sexistischem Inhalt. „Verpiss dich zurück dahin, wo du herkommst, du Fotze!“ ist nur eines von vielen Beispielen. Nun ja, tatsächlich befinde ich mich genau da, wo ich herkomme.

Ich habe den plötzlichen Tod eines Menschen politisiert und hunderte andere Menschen haben wiederum das politisiert – Die hässlichen Seiten des Internets!

Inzwischen haben sich nur Trump und der Papst nicht dazu geäußert. Bevor dies passiert entschuldige ich mich für meine Ausdrucksweise. Ich werde definitiv in Zukunft besser darauf achten, was ich im Suff twittere oder es ganz sein lassen. Oder alternativ mein Handy einfach in die Weser schmeißen.

Peace and out!

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Woran glauben die verschiedenen Kommentar-Typen?

Vermeintlich normale Menschen outen sich im Dschungel sozialer Netzwerke zu Anhängern verschiedenster Gruppen. Daran erkennst du sie:

Der Aluhut-Träger: Ist immer informiert, denn er glaubt an die Theorien von  Pi-News, FOCUS Online und Kopp Verlag. Er ist derjenige, der wirklich weiß, was in den mafiösen Strukturen der BRD GmbH abgeht und daher auch, wer die Lügenpresse kontrolliert.


Der Grammar-Nazi: hat den Duden studiert. Er ist der Dämon  deiner schrecklichen Deutschlehrerin, welcher dich auf Ewig verfolgen wird. Er findet Fehler, wo keine sind, ihm ist kein Kommentar zu schade, denn er glaubt fest daran ein besserer Mensch zu sein und deine kleine jämmerliche Existenz kann eh nur durch ihn gerettet werden.

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Der Troll: Kommentieren, um zu kommentieren, um hinterher kommentiert zu haben. Gegen Alles, für Nichts! Es sei denn, es ist eine idealistische und völlig realitätsferne Ansicht. Dann dafür. Das ist sein Lebensinhalt. Einzig der Glaube an einen Shitstorm hält ihn am Leben.

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Der Freunde-Tagger: Glaubt, dass seine „Freunde“ es super-mega-duper-hyper-geil finden, wenn er ihnen unglaublich tolle, innovativen, witzigen und nicht weniger belang-, und niveaulosen Inhalt im WWW zu Verfügung stellt. Der #DigitalInfluencer des kleinen Mannes.

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Klugscheißer: Schreibt gerne und auch viel. Extrem viel. Er glaubt: Je länger der Kommentar, umso glücklicher fühlt er sich. Und ja, er weiß alles besser. Alles. Wirklich.

 

Der Hetzer:  ist definitiv nicht rechts, aber das wird man ja wohl noch tweeten dürfen… glaubt er zumindest.

 

Der Choleriker: IST SAUER !!!1!!!!!! ER NUTZT VIEEELE BUCHSTABEN UND SATZZZEICHEN!“! UND ER GLAUB DIE HEEELFEN IHM!!!!“§!!! SEINEM GEFÜHLL AUSDRUCK ZU VERLEIHEN TUN! !““!!!! (Nebendiagnose: Ejakulat in der Tastatur lässt sich nur schwer entfernen.)

 

Social Media-Redakteur: Wenn die Kleinen in der Kommentarspalte mal wieder durchdrehen, wacht dieser über sie und erinnert sie an die Spielregeln. In manchen Fällen muss er auch Kommentare löschen. Da fühlen sich diese Menschen zensiert durch den Praktikanten der Lügenpresse. Er glaubt nicht, denn er ist der Allmächtige.

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Eine Liebeserklärung an Werder und vor allem seine Fans

Werder-Fans kennen das: Seit Jahren sagt man sich zu Beginn einer neuen Saison, dass diese anders verlaufen wird. Tatsächlich gibt es dann auch kleine Hochs, die diese Gedanken gar nicht so unrealistisch erscheinen lassen. Von diesem Hoch ist Werder in ein ziemliches abgestürzt. Viele Fans haben die Nase gestrichen voll. Sie fordern den Vorstand auf endlich zu handeln und wünschen sich eine rasche Entscheidung bezüglich Skripnik. Die Rufe nach seiner Entlassung wurden nach dem Augsburg-Spiel besonders laut. Es wurde sogar laut im Stadion gepfiffen, was fürs Weserstadion eher selten ist. Und ich bin froh, dass ich nicht im Stadion gewesen bin. Weniger wegen dem Ergebnis als dem Pfeifkonzert. Denn mich stimmt so ein Pfeifkonzert ziemlich traurig. Die Jungs dort unten wissen ganz genau, dass sie keine Glanzleistung dargeboten haben. Da braucht man nicht noch auf jemanden eintreten, der auf dem Boden liegt.

Ähnlich sieht es auch Werder. Thomas Eichin hat betont, dass man diese Saison noch mit Skripnik zu Ende bringen würde. Wo sich viele darüber aufgeregt haben, habe ich mich über diesen Entschluss gefreut. Denn unbedachte und rasche Trainerwechsel sind halt nicht der Stil von Werder Bremen.

Ich stehe nicht alleine mit der Meinung. Steffen Scholz und Johanna Göddecke, vom Twerder-Fanclub haben eine neue Werder-Bewegung ins Leben gerufen, die an „AllezGrün“ vor drei Jahren erinnert. #Greenwhitewonderwall lautet der Hashtag und dieser hat es diese Woche sogar in die deutschlandweiten Trends geschafft. Ein Hashtag, der nicht nur an eines der größten Britpop-Hits der 90er erinnert, sondern zugleich daran, was die Fans einer jeden Mannschaft für sie sein sollten: Eine starke Wand, die ihnen Standkraft und Stärke verleiht und selbst beim stärksten Orkan nicht nachgibt. Mit einem riesengroßen Banner wird am Samstag das Team am Weserstadion empfangen. 618 Zusagen hat diese Veranstaltung bis zu dieser Stunde auf Facebook.

https://www.facebook.com/events/1748549105358616/

Der Fanclub macht eine wunderbare Arbeit und macht nochmal deutlich, was Fankultur bedeutet. Fan sein bedeutet eben, dass man auch durch schlechte Zeiten miteinander geht. Schließlich ist Fan sein an guten Tagen eine ziemlich einfache Sache. Selbst prominenten Support gibt es inzwischen. Seien es Jan Delay, Werder Bremen  oder aktive und inaktive Werder-Spieler: Sie alle haben unter diesem Hashtag getwittert.

Und genau das ist der Grund, weswegen ich Werder-Fan bin. Zugegeben würden mich auch Erfolge freuen (ALLE DAUMEN DRÜCKEN AM DIENSTAG!), allerdings sind es gerade die schlechten Zeiten, die viel über den Charakter eines jeden aussagen. Es heißt ja nicht ohne Grund, dass man wahre Freunde an schlechten Tagen erkennt. Und diese Aktion zeigt, was für geile Fans Werder doch hat. Wenn nicht sogar die GEILSTEN. Keine leeren Ränge (das „AllezGrün“-Match war das Einzige, für welches ich vor drei Jahren keine Karte bekommen hatte), vollste Unterstützung und ein Pfeifkonzert, den ich nun als kleinen Ausrutscher bewerte.

Selbst wenn der Fall eintreten und Werder tatsächlich in Liga 2 abstürzen sollte, bin ich noch immer guter Dinge. Denn ich bin mir sicher, dass Werder und seine Fans es dann allen zeigen werden und mit einem Atemzug durchmarschieren werden. Mit einer Grün-Weißen Wonderwall ist einfach alles möglich.

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Darum danke an Werder und TWerder, dass ich Teil der geilsten Community Deutschlands sein darf.

 

 

Worüber wir in der Causa Böhmermann noch diskutieren sollten

In der Causa Böhmermann haben wir nun alle mehr als genug darüber diskutiert, was Satire darf und wo genau ihre Grenzen liegen. Dabei sind wir alle nun ein wenig schlauer und wissen: Schmähkritik wird auch in Deutschland nicht gerne gesehen und wird scharf kritisiert. Ein juristisches Vorgehen ist sogar möglich. Das so genannte „Schmähgedicht“ war der Versuch uns diese Grenzen aufzuzeigen. Wir debattieren gerne über Künstler- und
Meinungsfreiheit und nun haben wir die Bestätigung: Nicht alles wird unter diesem Deckmantel geschützt.

Worüber wir nun aber ernsthaft reden sollten: wie behandelt
man einen aktuellen Diskurs und was bringe ich ein und was lasse ich besser
sein?

Heute früh glühte die Social Media-Welt. Kai Diekmann hat allen Ernstes Jan Böhmermann interviewt. Das erste Lebenszeichen seit nun einer Woche. Und dieses ausgerechnet dem Journalisten gegenüber, den er mindestens genauso lieb haben dürfte wie den Politiker, der einen Strafantrag gegen ihn gestellt hat. Kann das echt sein? Natürlich nicht!

Das schlecht geshoppte Bild, die wirren Phrasen und das Kleinbeigeben vom Böhmermann, hat diese Sache binnen einer Minute als Fake für mich entlarvt. Und selbstverständlich auch die Art und Weise, wie es publiziert wurde. Ein Exklusiv-Interview als Facebook-Post und somit auf Clicks verzichten? Na gut, immer mehr Personen können dank Adblocker nicht auf BILD.de zugreifen.

Kai Diekmann probiert witzig zu sein und versucht sich in Satire. Nur das Pseudo-Schmähgedicht von einem Fake-Erdogan, vollgepackt mit Drohungen, war eine miesere und taktlosere Reaktion.

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Spätestens jetzt ist bekannt, dass der blasse Junge sich dieses Mal verscherzt hat und in einer Situation gefangen ist, die sogar für ihn unberechenbar ist. Selbst von Polizeischutz ist die Rede. Dann empfindet der BILD-Chef es als richtig und witzig ihm irgendwelche Worte in den Mund zu legen und ein komplettes Interview zu fälschen? Sicher war dies der Versuch, einen Varoufake zu inszenieren, einen Böhmerfake eben. Allerdings fehlte die Liebe zum Detail.

Ja, wir Türken sind temperamentvoller  

Was mir aber als Türkin besonders aufstößt und wofür ich mich stellvertretend entschuldigen möchte: die türkische Diskussionskultur, die heute an den Tag gelegt wird.

Auch ich habe mit vielen darüber diskutiert, da ich dieses Schmähgedicht als Kunstprojekt betrachte und habe eine Menge Kritik geerntet. Aber persönlich nehmen? Niemals.

Viele meiner Landsleute denken hierbei aber anders. Einige sehen das Gedicht als rassistisch an. Das würde ich nur mit meinem Vornamen unterzeichnen. Zugegeben es werden eine Menge Plattitüden und Klischees gegen Türken aufgegriffen, die auch irgendwelche NPD-Politiker von sich geben würden. Da der Empfänger aber Erdogan himself war und dieses Gedicht von Böhmermann und nicht etwa Lutz Bachmann ist, sehe ich das nicht zu streng. Darum unterschreibe ich es auch nicht, dass manch einer der Auffassung ist, dass mit diesem Gedicht ALLE Türken beleidigt wurden. Erfolgreiche Beleidigungen funktionieren subtil. Und dieses Gedicht ist halt sehr subtil. Wenn ich beispielsweise EINEN Polen auf übelste Weise wegdissen würde, würde ich diesen nicht als Ziegenficker bezeichnen, sondern von meinem Auto erzählen, der bis zu seinem Erscheinen noch auf dem Parkplatz stand. Und genauso ähnlich funktioniert das “Schmähgedicht”. Man muss es nicht gut finden. Wie bereits oben beschrieben, sollte Grenzen aufgezeigt werden. Und ich bleibe dabei: Böhmi könnte einige erfolgreiche Disstracks schreiben.

Den Vorwurf der Islamophobie indes verstehe ich absolut gar nicht. Selbst wenn ich Erdogan heroisieren würde, wird in diesem Text nicht der Islam beleidigt, nur weil Erdogan beleidigt wird. Weird as fuck.

Das ist aber nicht das, wofür ich mich entschuldigen möchte. Sondern geht es mir um dieses Ausfallende. Erdogan ist der Beleidigte und dieser hat einen Strafantrag gestellt. Punkt. Uns bleibt nun darüber zu diskutieren, wie kacke oder geil wir das finden. Ein “Schmähgedicht” für Böhmi schreiben? Warum nicht?!


Aber auch bei Beleidigungen gibt es ethische Grenzen, die nicht überschritten gehören.

Es ist keine Beleidigung mehr, wenn ich einem Menschen damit drohe, ihm die Haut abzuziehen oder dieser sich vor einem Zyankali-Döner hüten möchte. Morddrohungen sind alles andere als akzeptabel. Wenn ein Journalist in Deutschland Personenschutz braucht, weil er Erdogan beleidigt hat, wo kommen wir da hin? Er ist vielleicht in eurer Welt heilig und in einigen Teilen der Türkei, aber wir leben hier in Deutschland. Und hier gilt verdammt nochmal das deutsche Gesetz! Äußert euch konstruktiv, argumentiert. Tut aber bitte all dies ohne die Person in Bange ums Überleben zu bringen und/oder die Familie mit einzubeziehen. Denn das ist nicht witzig und hat auch nichts mit Meinungsfreiheit und Satire gemein.

Ihr regt euch über Rassisten und Pegioten auf, seid aber selber keinen Deut besser. Findet bitte mal zur Besinnung und lasst gut sein. Der Staatsanwalt hat sich der Sache nun angenommen.

Und sollte dieser zum Entschluss kommen, dass dieser komplette Fall eine Farce ist, bitte nicht ausrasten, dem blassen Jungen noch mehr Drohungen zukommen lassen, Fahnen anzünden und und und. Weint in euer Kissen oder schafft euch einen Punching-Ball an.

Aber bitte hört auf, in meinem Namen zu sprechen – Auch in der türkischen Community gibt es mehr als eine Meinung.

Hört auf mit solch peinlichen Aktionen – So erntet man keinen Respekt. Denn jeder weiß: Wer laut ist, muss nicht im Recht sein.

Und vor allem hört auf, die Meinungsfreiheit mit euren Füßen zu treten – Auch ihr dürft euch zu allem kritisch äußern, solange es keine Hetze ist.

Nun alle wieder ganz friedlich und lieb zueinander bitte.

Jan Böhmermann stellt 100 Fragen. Ich versuche zu antworten.

1.     
Warum?

Da
musst du Gott fragen.

2.      Warum
hat das niemand verhindert?

Vielleicht Kaffeepause, Nickerchen oder sonstige menschliche
Bedürfnisse.

3.     
Wozu die ganze Polizei, Überwachung, all die
Geheimdienste und Militäreinsätze?

Weil sie es können.

4.     
Wozu wird unsere Telekommunikation überwacht, wozu
haben wir Geheimdienste, wozu wissen die Behörden, was wir im Internet machen,
wenn nicht zur Verhinderung von Taten wie dieser?

Weil sie es können.

5.     
Bin ich Deutschland, Frankreich oder Europa?

Weder noch.

6.     
Warum bin ich nicht Polen, obwohl ich viel mehr Polen
bin als Frankreich?

Weil Frankreich ist Frankreich und Polen ist Polen.

7.     
Bin ich Deutscher oder Europäer – und was ist der
Unterschied?

DU bist Deutschland und jetzt auch Europa. Der Unterschied ist,
dass nicht überall deutsch gesprochen wird. (Sollte unbedingt geändert werden)

8.     
Stehe ich
hinter Thomas de Mazierè?

Ich hoffe doch nicht.

9.     
Steht Thomas de Mazierè hinter Angela Merkel?

Bedingt ja, aktuell wohl eher nicht.

10. 
Schreibt man „de Mazierè“ mit accent aigu oder accent
grave?

Ich kann kein französisch in Wort und Schrift.

11. 
Warum verspüre ich seit einigen Wochen das starke
Bedürfnis, Angela Merkel Mut zuzusprechen, Trost zu spenden und zu streicheln,
als wäre sie ein weinendes Flüchtlingsmädchen?

Weil sie einem schon leid tun kann.

12. 
Weiß Angela Merkel, dass das, was sie in den letzten
Monaten gesagt hat, von ihrer Kanzlerschaft bleiben wird?

Ich habe sie per WhatsApp gefragt. Man kann nicht sehen, wann
sie zuletzt online war und die blauen Häkchen hat sie auch abgestellt. Aber
erstmals hat sie bei mir Sympathiepunkte gesammelt.

13. 
Würden Pediga-Demos von alleine aufhören, wenn niemand
mehr über sie berichtete?

Vielleicht sollten wir dieses Wagnis eingehen und schauen.

14. 
Was bleibt von Pegida, wenn keiner mehr die
provozierten Wutbürger, die ihre gefühlten Wahrheiten in Lügenpressekameras
krakelen, im Fernsehen zeigt?

Gegenfrage: was passiert, wenn du Bohneneintopf und dazu einen
leckeren Salat mit Linsen isst und hinterher drei Milchkaffee trinkst? Genau
das bleibt von Pegida übrig.

15. 

Hatte Lutz Bachmann schon mal ein erotisches Erlebnis mit einem Mann?

Im Männergefängnis ist alles möglich.

16.  Weiß
Stanislaw Tillich, wie lächerlich deutschkonservativer Populismus aus dem Mund
von jemandem klingt, der Stanislaw mit Vornamen heißt?

Wenn er das wüsste, würde er häufiger schweigen.

17.  Ist
nach gestern endlich legal, Matthias Matussek ein dummes Arschloch zu nennen?

Ich lebe gefährlich. Ich habe ihn vorher auch schon so genannt.

18.  Sind
Horst Seehofer und Markus Söder gar keine Staatsmänner von Weltrang, sondern
bloß zwei bedauernswerte bayrische Provinztrampel?

JA!!!!

19.  Was
heißt eigentlich „Einigkeit, Recht und Freiheit“?

Kennst du eigentlich schon die Geschichte mit den Blumen und den
Bienen?

20.  Was
sind das eigentlich für Typen, die in Paris all diese Menschen getötet und
verletzt haben?

Chronisch untervögelte mit heftigen Daddy-Issues.

21.  Warum
wollen diese Typen nicht lieber glücklich mit ihren Kindern und Enkeln in einem
kleinen Haus am See, am Ende einer Straße auf der Orangenbaumblätter liegen,
wohnen und alt werden?

Welche Frau würde sich denn auf einen chronisch untervögelten
Mann mit Daddy-Issues einlassen?

22.  Warum
haben die nach dem fünften, sechsten Mord nachgeladen, statt innezuhalten und
aufzuhören?

Vielleicht sind es keine Menschen, sondern Terminatoren?

23.  Warum
habe ich vor diesen Typen keine Angst?

Weil wir alle wissen, dass man auch Terminatoren vernichten
kann.

24.  Wer
will Krieg – die Typen oder wir?

Beide Seiten, weil „Krieg schafft Arbeitsplätze“.

25.  Warum
habe ich keine Angst?

Weil du auf einem eigentlich ausgestorbenem Reptil reitest.

26.  Wissen
die Typen eigentlich, mit wem die sich anlegen?

Ja, denn sie haben alle Facebook.

27.  Glauben
die Typen wirklich, sie könnten gewinnen?

Gegenfrage: Denkt Erika Steinbach wirklich, dass ihre Meinung
relevant sei?

28. 
Glauben wir wirklich, wir könnten gewinnen?

Gegenfrage: Glaubt Frauke Petry daran, dass die AfD die
Demokratie neu erfunden hätte?

29.  Wacht
da gerade etwas auf, was besser nicht aufwachen sollte?

Auch Dracula ist irgendwann ausgeschlafen. Und wir wissen, dass
dies erstmal in einer Katastrophe ausartet.

30.  Können
Zivildienstleistende nachträglich zur Reserve eingezogen werden?

Als menschliche Schutzschilde? Warum nicht?!

31.  Würden
Frauen im Kriegsfall auch eingezogen?

Ich hoffe doch nicht. Meine Haut würde stark darunter leiden.
Werde ja auch nicht jünger, nech?

32.  Warum
beten die Menschen für Paris, statt Paris zu helfen?

Weil viele noch immer der Meinung sind, dass Beten hilft.

33.   Was sind US-Amerikaner eigentlich für
merkwürdige Leute?

Die Frage kann nicht einmal Gott beantworten. Aber vielleicht
hat Ken Jebsen eine passende Antwort parat?

34.  Warum
bin ich Paris, obwohl ich auch Beirut sein sollte?

Weil näher dran.

35.  Warum
macht es mich aggressiv, wenn jemand unter diesen Beitrag einen „Denkt an die
Kinder in Gaza“-Kommentar schreibt?

Weil absolut am Thema vorbei.

36.  Soll
ich mir eine Deutschlandfahne kaufen?

Gibt es diese auch in Form von Toilettenpapier?

37.  Wann
muss ich mir mehr Sorgen machen, wenn AfD-Idioten oder ganz normale Leute die
Deutschlandfahnen rausholen?

Sowohl als auch.

38.   Warum vertraue ich Frank-Walter Steinmeier?

Weil wir Chabos sind, die wissen, wer der Babo ist.

39.  Hat
sich Campino schon geäußert?

Er arbeitet derzeit sicher an einer Neuauflage von Band Aid
wegen der aktuellen Ereignisse.

40.  Sollte
ich mich äußern – wenn ja, wen interessiert das eigentlich?

Mach mal ruhig. Trau dich. Von dir kommen die mit unter
sinnvollsten Beiträge. Sind deine 100 Fragen nicht sogar eine Form der
Äußerung?

41.  Wieso
fühle ich mich in Anwesenheit von Polizisten mit Maschinengewehren nicht
sicher, sondern unsicherer?

Weil du nie wissen kannst, wie gut er wirklich im Ernstfall
zielen kann.

42.  Warum
saß heute bei Maybrit Illner ein General a.D. in einer deutschen
Zivilistentalkshow?

Puh, das kann ich dir auch nicht beantworten.

43.  Was
sind das eigentlich für Deutsche, die im Jahr 2015 zum Militär gehen?

Die Bezahlung ist gut. Das für mich einzig logische Argument.

44.  Hat
die Bundeswehr schon mal für mich gekämpft?

Also für mich definitiv nicht. (Jahrgang 1984)

45.  Wer
ist stärker, Bundeswehr oder IS?

Der IS ist definitiv skrupelloser.

46.  Haben
wir überhaupt Gewehre, die treffen?

Da müssen sicher einige überholt werden.

47.  Wer
ist eigentlich „wir“?

Das frage ich mich auch sehr häufig.

48.  Wäre
Atheismus die Lösung?

Der Mensch bleibt trotzdem scheiße und wird die selben Fehler wiederholen. Nur
dieses Mal nicht für ein heiliges Buch.

49.  Haben
wir genug Polizeibeamte, die arabisch sprechen?

Ich denke wohl nicht.

50.  Muss
ich vollverschleierte Frauen in der Öffentlichkeit tolerieren und wenn nein,
wieso nicht?

Ja, solltest du.

51.  Sind
eigentlich immer Männer schuld?

Zumindest sind die meisten Akteure, im aktuellen Stück,
männlich. Über die Schuldfrage kann man aber so generell diskutieren.

52.  Können
wir Krieg oder einen Militäreinsatz verantworten, solange noch Menschen in
Deutschland leben, die den Zweiten Weltkrieg miterlebt haben?

Man kann einen Krieg niemals, zu keiner Zeit, verantworten.

53.  Sind
wir die Kinder der Aufklärung oder die Enkel der Nazis oder beides?

Beides.

54.  Haben
wir Russland Unrecht getan?

Bezogen worauf?

55.  Warum
haben russische Männer so lustige Frisuren?

Die von der Leyen glänzt auch nicht gerade mit einer schönen
Frisur.

56.  Passiert
gerade Geschichte?

Es passiert immer Geschichte, zu jeder Zeit. Weckt das nicht
Hoffnung, es morgen besser zu machen? 

57.  Wie
erkläre ich das alles meinen Kindern?

Einfach die Fragen deiner Kinder beantworten. So ergibt es sich
von ganz alleine.

58.  Sollte
ich mir eine Dollarreserve zur Seite legen, damit ich jederzeit aus Europa
flüchten kann, wenn es sein muss?

Wie? Du willst nicht für dein Land, bis zum bitteren Ende,
kämpfen und stattdessen fliehen?! I like that!

59.  Ist
das Attentat in Paris für die „Eagles of Death Metal“ kommerziell gesehen eher
gut oder schlecht?

Alles kann als PR ausgelegt werden.

60.  Für
welche Überzeugung würde ich sterben?

Ich würde mal darauf tippen, wenn dir jemand so was wie den
„Varoufake“ verbieten würde.

61.  Was
würde John Lennon sagen?

„Imagine all the people livinig life in peace…“

62.  Haben
Pegida, die Flüchtlinge, Frankreich und Deutschland jetzt nicht den selben
Gegner?

Den Gegner teilen sie sich schon länger, nur die Ideale
widersprechen sich.

63.  Was
sind das für Typen, die diese ganzen unschuldigen Menschen sehenden Auges
erschießen, hinrichten?

Selbe Frage stelle ich mir auch seit Freitag.

64.  Aus
welchen Elternhäusern kommen die Typen?

Ich erinnere an dieser Stelle an den Daddy-Issue.

65.  Wann
kommt der erste Idiotenpost von Jan Leyk?

Ich denke, spätestens morgen. Nachdem er den Kater seines Lebens
überlebt hat.

66.  Wie
fühlen sich Bibi und Sami gerade?

Sie sind so erschüttert, dass sie ihre Channels auf Eis legen.

67.  Wann
fahre ich nach Paris?

Ich kenne deinen Urlaubsplan nicht. Generell würde ich heute
noch dahin reisen, wenn eine Reise geplant wäre. Warum sollte ich mich, in
meinen Handlungen, von diesen Vollpfosten, einschränken lassen?

68.  Wie
geht es den Verletzten?

Sie haben ein Massaker überlebt. Also teils gut, weil sie es
überlebt haben und doch miserabel, weil sie ein großes Trauma aufzuarbeiten
haben.

69.  Halten
wir zusammen?

Wird die Zeit zeigen.

70.  Wer
ist „wir“?

Das weiß ich auch nicht genau. Auf jeden Fall möchte ich nicht
zu den Menschen gehören, die sich ständig auf das „Wir“ berufen. Dann bin ich
doch lieber alleine.

71.  Werden
uns die Flüchtlinge helfen?

Ja.

72.  Geht
das vorbei?

Irgendwann sicherlich.

73.  Würde
uns so ein Anschlag in Deutschland schocken?

Ja. Aber noch erschreckender wäre das Nachbeben. Stell dir vor,
es gibt einen Anschlag, auf den sich Pegida berufen kann. In Deutschland. 

74.  Haben
wir einen Vorteil, weil wir mit Erzählungen von und in dem Land in dem so viel
Schrecklicheres passiert ist, aufgewachsen sind?

Niemand kann sich aussuchen, wo er aufwächst. Darum weder
Vor- noch Nachteil.

75.  Haben
wir eine besondere Verantwortung, für den Erhalt der Freiheit und eine offene
Gesellschaft zu kämpfen?

Ja.

76.   Ist die Freiheit wirklich bedroht?

Bedingt. Es gibt Menschen, die wollen diese eindämmen. Aber
wieso das machtlos aufgeben, wofür man so lange gekämpft hat?

77.  Und
wenn ja, von wem ist sie mehr bedroht – den Typen in Paris oder den Typen, die
diese Typen bei uns auf den Plan rufen?

Es ist eine Mischung aus allem.

78.  Was
hätte Helmut Schmidt gesagt und wen hätte das wirklich ehrlich interessiert?

Dass das ein Angriff auf die Freiheit war und wir nun
zusammenhalten müssen. Ich denke nicht, dass das so viele interessiert hätte,
wie der Beitrag von Jan Leyk. Aber doch schon ein Paar. Zumindest hätte es mich
interessiert. 

79.  Ist
es wirklich Glück oder Zufall, dass bei uns noch kein größerer Anschlag
stattgefunden hat?

Zufälle gibt es nicht. Dann muss es das Glück sein.

80.  Müssen
im französischen Geheimdienst oder bei der polizeilichen Terrorabwehr jetzt
Leute zurücktreten?

Wenn tatsächlich Informationen missachtet wurden, unbedingt.

81.  Wann
kippt die BILD in der Flüchtlingsfrage um?

Ist sie nicht gerade dabei umzukippen?

82.  Soll
ich die ZDFneo-Sendung am nächsten Donnerstag machen oder lieber eine Woche
ausfallen lassen?

The show must go on. Lachen ist das schönste, was einem, in so
einer Zeit, bleibt.

83.  Sind
potentielle Attentäter bei uns besser sozial integriert als in Frankreich?

Da kann aktuell von ausgehen.

84.  Was
ist gefährlicher – Islamismus oder Nationalismus und Rassismus?

Die nehmen sich nicht viel. Alle drei Ideologien sind
gefährlich.

85.  Was
sind das nur für Typen?

Sie hatten zu wenig Liebe in ihrer Entwicklungsphase.

86.  Was
sind das nur für Typen?

Sie haben generell zu wenig Liebe im Leben.

87.  Was
sind das nur für Menschen, die in Polizeiuniformen für wenig Geld ihr Leben
riskieren?

Helden des Alltags.

88.  Gibt
es innerhalb der islamistischen Terroristenszene auch Gute und Böse?

Es gibt zumindest brutalere und weniger brutale. Der IS setzt
definitiv neue Maßstäbe.

89.  Kriegen
uns die Killer klein?

Nö.

90.  Ist
nach gestern alles anders?

Ja, schon. Die CDU hat ja schon betont, dass sich was ändern
muss. Nun kriegt sie ihren Kopf wohl doch durchgesetzt. Ok, im Grunde ist doch
alles beim Alten. Wenn man genauer darüber nachdenkt.

91.  Wie
geht es den Pariser Ärzten, Rettungsdienstmitarbeitern und Krankenpflegern?

Das vermag ich mir nicht vorstellen. Auch diese haben ein
Trauma, welches aufgearbeitet werden muss.

92.  Sind
wir wirklich so solidarisch, wie wir jetzt behaupten?

Wenn einige aus der Regierung gleich raushauen, dass das
Asylgesetzt nochmals verschärft werden muss, wohl eher nicht. (Wobei ich denke:
jetzt erst recht, jeden aufnehmen.)

93.  Muss
ich die zu erwartenden dusseldeutschen Müllkommentare unter diesem Post
ignorieren, löschen oder beantworten?

Hängt vom Inhalt ab.

94.  Spürt
man kurz vor dem Tod noch was, wenn man seine Sprengstoffweste zündet, oder
geht das zu schnell?

Hängt sicher vom Verletzungsgrad ab.

95.  Was
sind das nur für Typen?

Im Ernst, je häufiger die Frage kommt, umso mehr wünschte ich, dass
ich eine Antwort darauf hätte.

96.  Kann
man sowas nachhaltig mit mehr Sozialarbeit verhindern?

Wenn es darum geht, die traumatisierten Flüchtlinge, als Teil
der Gesellschaft zu integrieren und zu zeigen, dass sie willkommen sind,
sicherlich.

97.  Hassen
uns die Islamisten wirklich oder sind sie nur eifersüchtig?

Eine Mischung aus beidem wird es sein.

98.  Was
denken eigentlich die Frauen der IS-Leute über die beruflichen Angelegenheiten
ihrer Männer?

Mich würde eher interessieren, warum solch Typen, überhaupt eine
Frau haben? Auch diese müssen mit Daddy-Issues zu kämpfen haben.

99.  Sollte
Deutschland religiöser werden oder weniger religiös? Welche Religion?

Religion hilft auch nicht weiter.

100.                    
Möchte ich lieber in einem Land leben, in dem ich alle
Fragen stellen kann, aber nur auf wenige eine Antwort erhalte oder in einem
Land, in dem ich nur wenige Fragen stellen darf, die aber beantwortet bekomme?

Diese Frage ist wirklich so wunderschön formuliert. Es hängt
wohl davon ab, was für dich wichtiger ist. Die Freiheit deiner Meinung oder
absolute Aufklärung und Transparenz.

Liebster Jan,

mit Begeisterung lese ich seit gestern deine 100 Fragen wieder und wieder. Darum dachte ich mir, dass ich beim Lesen produktiv sein und versuchen kann, dir zu antworten.

Leider ist es schwieriger, die passenden Antworten zu finden, als erhofft. Hier erkennt man, dass es häufig die “einfachen” Fragen sind, die schwer zu beantworten sind. Und traurig ist die Tatsache, dass es gerade auf diese 100 Fragen, die uns allen mehr oder weniger mal durch den Kopf geschossen sind, womöglich nie eine eindeutige Antwort geben kann. Vielleicht auf vereinzelte, aber niemals auf alle. Daher beziehe ich mich, an dieser Stelle, nochmal auf deine 100. Frage (Die beste aller Fragen): du stellst viele Fragen und wirst nur bedingt jede beantwortet bekommen.

Da es mir doch recht schwer fiel, richtige Antworten auf die Fragen zu finden, verflüchtige ich mich im Sarkasmus. Das tut mir leid! Nur gibt es so viele kurze, ernste Fragen, auf die man nicht antworten kann. Traurige Realität.

Dennoch bin ich am Ball geblieben. 

Lieben Gruß

Hatice

Not in my name? Not in my name!

Die Ereignisse in Paris treffen auch mich, wie auch die
meisten meiner muslimischen Freunde, sehr stark. Wie ist es möglich, dass die
Attentäter und ich an das selbe glauben? Das will mir nicht in den Kopf hinein.
Was mir aber ebenfalls nicht in den Kopf hinein möchte, dass von vielen Seiten
lautstark nach einer Distanzierung von diesen Anschlägen gefordert wird. Und
genau das sehe ich nicht ein.

Nicht etwa, weil ich das gutheiße, sondern weil es
selbstverständlich sein sollte, dass ich das nicht gutheiße. Ich plädiere
hierbei an Menschlichkeit, Logik und allem voran Menschenkenntnis.

Wo kämen wir hin, wenn sich fortlaufend Menschen von Taten
distanzieren würden, die Monster verrichten, die die selbe Herkunft, Religion,
Haarfarbe, Hautfarbe oder Arbeitgeber haben?

In Deutschland haben dieses Jahr hunderte Flüchtlingsheime
gebrannt, dennoch fordere ich keinen meiner deutschen Freunde auch, sich von
diesen rechts gesinnten Gruppen zu distanzieren, weil ich schlicht davon
ausgehe, dass sie dies tun.

Wenn also jemand von mir fordert, dass ich mich distanziere,
ist dies eine Form von Rassismus und eine riesen Beleidigung. Mein Gegenüber hält
nämlich an der Option fest, ich wäre mit den Anschlägen konform, weil ich eine
Gemeinsamkeit mit den Attentätern aufweise und nicht explizit das Gegenteil
behaupte. Gleichzeitig zeigt dies, wie schlecht die Menschenkenntnis ist. Wer
mich näher kennt, sollte wissen, wie ich zu Radikalislamistischen
Organisationen stehe und gar nicht erst danach fragen, ob ich das scheiße
finde, weil die Antwort bekannt sein dürfte.

In dem Sinne: sprecht mit mir über die Tragik der Ereignisse,
beleidigt mich aber nicht, indem ihr explizit aus meinem Mund hören wollt, dass
ich mit dieser Form des Islam nichts zu tun habe.

Liebe Pegida-Anhänger, ich kann euch einfach nicht verstehen.

Nachdem sich im Oktober 2014 rund 5000 Hooligans gegen Salafisten in Köln versammelt haben, haben sich bekanntermaßen in mehreren Städten Tausende patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes zusammengetan; kurz: Pegida. Angefangen hat dieser faschistoide Vormarsch natürlich in Dresden. In keiner anderen Stadt Deutschlands ist eine Islamisierung wohl deutlicher zu spüren als in dieser. Immerhin sind ganze 0.2 % der Dresdner Bevölkerung muslimischen Glaubens. Unterm Deckmantel, keine weiteren (Wirtschafts-)Flüchtlinge zu dulden, tun sich Montags Tausende Menschen zusammen, um gemeinsam zu demonstrieren.

Vereint sind sie in ihrer Meinung allerdings nicht wirklich. Der eine sagt, es ginge um das System, dem anderen ist es allgemein zu bunt, der nächste ist gegen die “Mainstream”-Presse und selbstverständlich wird das System im Allgemeinen auch kritisiert. In einer Sache sind sie sich jedoch fast komplett einig: sie sind nicht rassistisch, denn es wird ja lediglich der Islam kritisiert und diese ist bekanntlich keine Rasse, sondern eine Religion. Dass ihr einstiger selbst ernannter Messias Lutz Bachmann selber für seine Rechtsgesinnung bekannt ist und 4 Jahre in Südafrika als Flüchtling lebte, ist für diese Menschen nebensächlich und wird von der „Lügenpresse“ hochgespusht, um die Meinung des Volkes zu manipulieren. Stellt sich die Frage, von welchem Volk? Von den paar Tausend, die sich zum Spaziergang treffen oder die vielen Millionen, die sich das beschämt von zuhause aus angucken? Aber nach Fakten verfahren liegt den Spaziergängern anscheinend nicht sonderlich. Lieber einfach unbegründete Ängste teilen und verbreiten.

Fun fact: In Bremen hatte der Bremer Ableger “Bregida” noch keinen Erfolg, obwohl 10% der Bevölkerung muslimischen Glaubens sind und in kaum einer anderen Stadt Deutschlands am ehesten von “Islamisierung” die Rede sein könnte, wenn es denn diese tatsächlich gäbe. Hier findet viel mehr eine Akzeptanz einander statt. Darum die Frage an alle Pegida-Anhänger: wo liegt eigentlich euer Problem? 

Dass die Flüchtlinge aus Syrien selber vor der Islamisierung flüchten, scheint vielen nicht ganz klar zu sein. Und dass der IS Christen erst einmal die Möglichkeit bietet entweder Steuern zu zahlen oder zu konvertieren, anscheinend auch nicht (dies ist ein altbewährter Weg, Menschen zum konvertieren zu bewegen und wurde schon sehr oft praktiziert. Und zwar nicht nur von Moslems.). Bei Moslems, die nicht nach ihrem Gesetz leben, wird hingegen gar nicht lange gefackelt und geköpft. Unter den Opfern sind Größtenteils Menschen schiitischen Glaubens; eine Abspaltung des Islam. Gesetzt des Falles also, dass der IS tatsächlich nach Deutschland kommen würde, um hier alles zu islamisieren, würden diese erst einmal ein Groß der hier lebenden muslimischen Gesellschaft (mich mit einbegriffen) ermorden, denn bei dieser ist der Zug abgefahren und Hopfen und Malz verloren. Ihr lieben Pegida-Anhänger dürft entweder mehr Steuern zahlen oder einfach dem Club beitreten. (Mitlaufen liegt euch ja.)

Wichtige Fragen. Antworten erwünscht.

Wenn es den Pegida-Anhängern aber tatsächlich nur gegen die Islamisierung des Abendlandes geht und nicht etwa gegen Ausländer im Allgemeinen oder den Islam, wirft sich bei mir die Frage auf, wieso diese nicht die Kommunikation mit liberalen Moslems suchen, um einen gemeinsamen Weg gegen diesen Wahnsinn zu finden. Denn glaubt mir eines, mir gehen diese Hipster mit Säbel ebenfalls auf den Wecker. Wenn ich sehe, dass diese versuchen den einen „richtigen“ Weg den Menschen mit Gewalt aufzubrummen und gleichzeitig behaupten, dass es nur diesen einen Weg gibt, würde ich diese am liebsten in einen Raum sperren und ihnen rund um die Uhr nichts als das “Musikantenstadl” zeigen. (Eine schlimmere Folter ist für mich schwer vorstellbar. Psychoterror at it’s best.)

Erst informieren, dann eine Meinung bilden

Immer häufiger plädiert ihr gegen die “Mainstream”-Medien; aktuell besonders stark gegen die Öffentlich-rechtlichen Sender. Dabei wäre es gar nicht so verkehrt, wenn ihr diese mal zur Abwechslung konsumieren würdet. Ihr könntet dabei eine Menge lernen. Wie etwa:

  • Flüchtlinge müssen auf Kosten des Staates leben, da diese nicht arbeiten dürfen, gleich ob sie es wollen oder nicht.

  • Eine Flucht aus Syrien nach Deutschland ist sehr gefährlich und teuer. 

  • Die Flüchtlinge aus Syrien sind hochqualifizierte Menschen, die in ihrer Heimat gute Berufe ausübten.

  • Ihre Studienabschlüsse werden hier aber nicht anerkannt.
  • Kein Mensch lässt freiwillig all sein Hab und Gut zurück, solange dieses überhaupt noch vorhanden ist.

  • Auch sie wären dankbar, wenn sie schnell wieder ihren Alltag in der zurückgelassenen Heimat aufnehmen können.

  • Bei den Flüchtlingen handelt es sich nicht um ISLAMISTEN! Sie flüchten selber vor diesen und sind auch dankbar, wenn diese nicht den Weg hier her finden

  • Ihr wart auch einst Flüchtlinge.

  • Die gesamte Weltgeschichte ist geprägt durch Flüchtlinge.

Ohne die „Nazikeule“ schwingen zu wollen, aber Fremdenhass ist einfach das widerwärtigste, was es gibt und hat bisher sehr viel Elend gebracht. Niemand versucht hier irgendwas  oder irgendwen zu islamisieren oder ähnliches. Lasst euch nicht von Menschen, für eine rechte Bewegung, instrumentalisieren, die selber ein Strafregister haben, welches so umfangreich wie der Brockhaus ist.

Ein Kompromissvorschlag

Und glaubt mir abschließend eines, sollte es tatsächlich dazu kommen, dass hier IS-Kämpfer einmarschieren, um ihren Terror zu verbreiten, kämpfen wir gemeinsam für eine Sache gegen den IS-Terror. Denn kaum jemand verabscheut diesen mehr als ein liberaler Moslem. Versucht nicht Geschichte zu wiederholen und beweist, dass ihr aus dieser gelernt habt.