Monat: Januar 2015

Liebe Pegida-Anhänger, ich kann euch einfach nicht verstehen.

Nachdem sich im Oktober 2014 rund 5000 Hooligans gegen Salafisten in Köln versammelt haben, haben sich bekanntermaßen in mehreren Städten Tausende patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes zusammengetan; kurz: Pegida. Angefangen hat dieser faschistoide Vormarsch natürlich in Dresden. In keiner anderen Stadt Deutschlands ist eine Islamisierung wohl deutlicher zu spüren als in dieser. Immerhin sind ganze 0.2 % der Dresdner Bevölkerung muslimischen Glaubens. Unterm Deckmantel, keine weiteren (Wirtschafts-)Flüchtlinge zu dulden, tun sich Montags Tausende Menschen zusammen, um gemeinsam zu demonstrieren.

Vereint sind sie in ihrer Meinung allerdings nicht wirklich. Der eine sagt, es ginge um das System, dem anderen ist es allgemein zu bunt, der nächste ist gegen die “Mainstream”-Presse und selbstverständlich wird das System im Allgemeinen auch kritisiert. In einer Sache sind sie sich jedoch fast komplett einig: sie sind nicht rassistisch, denn es wird ja lediglich der Islam kritisiert und diese ist bekanntlich keine Rasse, sondern eine Religion. Dass ihr einstiger selbst ernannter Messias Lutz Bachmann selber für seine Rechtsgesinnung bekannt ist und 4 Jahre in Südafrika als Flüchtling lebte, ist für diese Menschen nebensächlich und wird von der „Lügenpresse“ hochgespusht, um die Meinung des Volkes zu manipulieren. Stellt sich die Frage, von welchem Volk? Von den paar Tausend, die sich zum Spaziergang treffen oder die vielen Millionen, die sich das beschämt von zuhause aus angucken? Aber nach Fakten verfahren liegt den Spaziergängern anscheinend nicht sonderlich. Lieber einfach unbegründete Ängste teilen und verbreiten.

Fun fact: In Bremen hatte der Bremer Ableger “Bregida” noch keinen Erfolg, obwohl 10% der Bevölkerung muslimischen Glaubens sind und in kaum einer anderen Stadt Deutschlands am ehesten von “Islamisierung” die Rede sein könnte, wenn es denn diese tatsächlich gäbe. Hier findet viel mehr eine Akzeptanz einander statt. Darum die Frage an alle Pegida-Anhänger: wo liegt eigentlich euer Problem? 

Dass die Flüchtlinge aus Syrien selber vor der Islamisierung flüchten, scheint vielen nicht ganz klar zu sein. Und dass der IS Christen erst einmal die Möglichkeit bietet entweder Steuern zu zahlen oder zu konvertieren, anscheinend auch nicht (dies ist ein altbewährter Weg, Menschen zum konvertieren zu bewegen und wurde schon sehr oft praktiziert. Und zwar nicht nur von Moslems.). Bei Moslems, die nicht nach ihrem Gesetz leben, wird hingegen gar nicht lange gefackelt und geköpft. Unter den Opfern sind Größtenteils Menschen schiitischen Glaubens; eine Abspaltung des Islam. Gesetzt des Falles also, dass der IS tatsächlich nach Deutschland kommen würde, um hier alles zu islamisieren, würden diese erst einmal ein Groß der hier lebenden muslimischen Gesellschaft (mich mit einbegriffen) ermorden, denn bei dieser ist der Zug abgefahren und Hopfen und Malz verloren. Ihr lieben Pegida-Anhänger dürft entweder mehr Steuern zahlen oder einfach dem Club beitreten. (Mitlaufen liegt euch ja.)

Wichtige Fragen. Antworten erwünscht.

Wenn es den Pegida-Anhängern aber tatsächlich nur gegen die Islamisierung des Abendlandes geht und nicht etwa gegen Ausländer im Allgemeinen oder den Islam, wirft sich bei mir die Frage auf, wieso diese nicht die Kommunikation mit liberalen Moslems suchen, um einen gemeinsamen Weg gegen diesen Wahnsinn zu finden. Denn glaubt mir eines, mir gehen diese Hipster mit Säbel ebenfalls auf den Wecker. Wenn ich sehe, dass diese versuchen den einen „richtigen“ Weg den Menschen mit Gewalt aufzubrummen und gleichzeitig behaupten, dass es nur diesen einen Weg gibt, würde ich diese am liebsten in einen Raum sperren und ihnen rund um die Uhr nichts als das “Musikantenstadl” zeigen. (Eine schlimmere Folter ist für mich schwer vorstellbar. Psychoterror at it’s best.)

Erst informieren, dann eine Meinung bilden

Immer häufiger plädiert ihr gegen die “Mainstream”-Medien; aktuell besonders stark gegen die Öffentlich-rechtlichen Sender. Dabei wäre es gar nicht so verkehrt, wenn ihr diese mal zur Abwechslung konsumieren würdet. Ihr könntet dabei eine Menge lernen. Wie etwa:

  • Flüchtlinge müssen auf Kosten des Staates leben, da diese nicht arbeiten dürfen, gleich ob sie es wollen oder nicht.

  • Eine Flucht aus Syrien nach Deutschland ist sehr gefährlich und teuer. 

  • Die Flüchtlinge aus Syrien sind hochqualifizierte Menschen, die in ihrer Heimat gute Berufe ausübten.

  • Ihre Studienabschlüsse werden hier aber nicht anerkannt.
  • Kein Mensch lässt freiwillig all sein Hab und Gut zurück, solange dieses überhaupt noch vorhanden ist.

  • Auch sie wären dankbar, wenn sie schnell wieder ihren Alltag in der zurückgelassenen Heimat aufnehmen können.

  • Bei den Flüchtlingen handelt es sich nicht um ISLAMISTEN! Sie flüchten selber vor diesen und sind auch dankbar, wenn diese nicht den Weg hier her finden

  • Ihr wart auch einst Flüchtlinge.

  • Die gesamte Weltgeschichte ist geprägt durch Flüchtlinge.

Ohne die „Nazikeule“ schwingen zu wollen, aber Fremdenhass ist einfach das widerwärtigste, was es gibt und hat bisher sehr viel Elend gebracht. Niemand versucht hier irgendwas  oder irgendwen zu islamisieren oder ähnliches. Lasst euch nicht von Menschen, für eine rechte Bewegung, instrumentalisieren, die selber ein Strafregister haben, welches so umfangreich wie der Brockhaus ist.

Ein Kompromissvorschlag

Und glaubt mir abschließend eines, sollte es tatsächlich dazu kommen, dass hier IS-Kämpfer einmarschieren, um ihren Terror zu verbreiten, kämpfen wir gemeinsam für eine Sache gegen den IS-Terror. Denn kaum jemand verabscheut diesen mehr als ein liberaler Moslem. Versucht nicht Geschichte zu wiederholen und beweist, dass ihr aus dieser gelernt habt. 

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